Automatisiertheit

Handlungen, die automatisch durchgeführt werden, müssen nicht mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden, sie bedürfen dieser nicht mehr und benötigen nur noch wenig oder gar keinen aktiven Denkaufwand mehr (Vgl. Anderson, 2000). Automatisiertheit einer Tätigkeit ist eine Folge von Übung dieser Tätigkeit.

„Alle Aktionen, die Sie simultan ausführen sind zumindest bis auf eine automatisiert.“ (Jef Raskin, 2001, S. 40)

In einem Experiment von Spelke, Hirst und Neisser (1976) konnte nachgewiesen werden, dass es sogar möglich ist, dass Handlungen, die normalerweise interferent sind, weil sie dieselben Areale im Gehirn beanspruchen, parallel ausgeführt werden können, wenn die eine Handlung durch Übung automatisiert wurde. Die Automatisiertheit einer Handlung setzt demnach Übung derjenigen voraus.

Die Probanden bekamen die Aufgabe gestellt, einen Text auf Verständnis zu lesen und gleichzeitig Wörter, die sie diktiert bekamen, zu notieren.

Anfangs mussten die Probanden die Lesegeschwindigkeit verlangsamen, um der Aufgabe nachzukommen. Nach sechs Wochen Übung lasen sie in normaler Geschwindigkeit. Sie berichteten, dass sie sich der Worte, die sie schrieben nicht bewusst waren. (Spelke, Hirst und Neisser, 1976)

Es ist also offenbar nicht nötig, Aufmerksamkeit auf eine automatisierte Tätigkeit zu richten, wodurch der zentrale Flaschenhals der Aufmerksamkeit wieder frei für neue, ungewohnte Tätigkeiten und Umweltreize wird.

Eine gleichzeitige Durchführung von zwei Aufgaben ist nur möglich, wenn eine dieser Aufgaben automatisiert ist und somit nicht mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken muss. Ist eine Tätigkeit einmal automatisiert, kann es sogar zu Problemen führen, wenn man diesen bei der Durchführung Aufmerksamkeit zukommen lässt:

„Blind Schreibmaschine schreiben oder Fahrradfahren gelingt am besten, wenn Sie nicht darüber nachdenken. Sobald sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Finger richten, stolpern diese und drücken die falsche Taste. Um Aufgaben auszuführen, die praktische Fähigkeiten erfordern, müssen Sie das System aus Muskeln und Nerven locker lassen, das für diese Manöver verantwortlich ist. Lassen sie es alleine machen und halten Sie sich raus. Dies beinhaltet keinen Autoritätsverlust, weil Sie nach wie vor entscheiden, ob eine gemacht werden soll, oder nicht; außerdem können Sie jederzeit intervenieren und die Technik verbessern.“ (Thomas Lewis, 1974, S. 64)

(Trotz des Gegensatzes zu Lewis` These, kann es doch zu einem Autoritätsverlust kommen. Es kann beispielsweise zur Ausbildung von schlechten Gewohnheiten kommen, wenn sich diese der Kontrolle des Bewusstseins entziehen und sich die Dinge erst einmal verselbstständigt haben.

„Eine Gewohnheit anzunehmen, bedeutet ein wenig aus dem Leben zu scheiden.“ (Unamuno, 1913))

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