Content-Usability

Benutzerfreundlicher Inhalt besteht aus zugänglichen, professionell aufbereiteten Inhalten, welche sinnvoll und optimal verständlich im Hinblick auf die Zielgruppe verfasst sind. Dazu gehören neben den Texten auch sinnvoll mit diesen verknüpfte Media-Dateien, wie z. B. Bilder oder Audio- und Video-Inhalte (vgl. Völkel, 2005).

Die zuvor genannten Kriterien der Usability gehen auf die Informationsarchitektur, Strukturierung und Anordnung von einzelnen Komponenten oder der gesamten Website ein. Neben dieser Web-Usability sollte die Benutzbarkeit der Inhalte einer Website nicht außer Acht gelassen werden und wird unter dem Stichwort Content Usability subsumiert. Denn relevante Inhalte sind das erste und nicht selten das Einzige, worauf 78 % der Seitenbesucher achten (Poynter Project, Stanford University, Eyetrack-Studie 2000).

Design, Funktionalität und Programmierung der Website können noch so ausgeklügelt und kreativ sein, sofern die Inhalte uninteressant, veraltet oder falsch sind, wird sich der Nutzer anderen Seiten zuwenden. Umgekehrt gibt es Websites, deren Inhalte verständlich und aktuell sind, sie jedoch in einem katastrophalen und unstrukturierten Erscheinungsbild präsentiert werden. Der User wird diese Texte nicht zu würdigen wissen, da er schon vorher von seinem Ziel durch das Design abgelenkt wird oder diese Texte auf Grund dessen erst gar nicht findet.

Wie müssen Texte auf einer Website demnach gestaltet werden, damit sie unter Content Usability-Gesichtspunkten bestehen? Jakob Nielsen (2004) führt sieben Punkte zur Content Usability an:

Kurze Texte

Die wichtigste Richtlinie für Texte auf Websites ist deren Länge. Studien haben ergeben, dass man am Computerbildschirm ungefähr 25 % langsamer liest als auf Papier. Resultat davon ist, dass man nur ungern längeren Text vom Bildschirm abliest. So sollten nicht mehr als 50 % des Textes, den man für dasselbe Thema in gedruckten Publikationen verwenden würde, online stehen.

Schnelle Lesbarkeit

Da das Lesen eines Textes auf einem Computermonitor unbequem ist, ruft es eine gewisse Ungeduld beim User hervor. Deshalb neigt dieser dazu, den Text nur zu überfliegen, auf der Suche nach Schlüsselwörtern, Sätzen und Absätzen, die sein Interesse wecken (Wirth, 2002). Dieses wurde in einer Studie herausgefunden. 79 % der Anwender überflogen jede neue Seite, anstatt diese Wort für Wort zu lesen (Nielsen & Morkes, 1997).

Aus diesem Grund sollten die Texte auf Webseiten klare Überschriften und Zwischentitel bieten, die dem Leser mitteilen, wovon der folgende Abschnitt handelt.

Absätze und Zusammenfassungen bieten, damit der User die für ihn interessanten Teile und Inhalte schnellstmöglich ausfindig machen kann. Gleichförmige Textabschnitte sollten durch Aufzählungen oder ähnliche Gestaltungselemente unterbrochen werden. Wichtige Wörter sollten durch Hervorhebungen oder Betonungen hervorgehoben werden, so dass sie dem Nutzer sofort ins Auge fallen. Die kürzesten Suchzeiten werden durch farbige Hervorhebungen erreicht, Fettdruck ist ebenfalls gut geeignet. Bei kursiver Schrift oder sogar blinkenden Elementen ist die Suchzeit am längsten (Wandmacher, 1993). Da Hyperlinks nach Usability-Kriterien normalerweise durch Unterstreichung und ihre blaue Farbe herausstechen, muss darauf geachtet werden, die Hervorhebungen und Betonungen im Text anders zu markieren, da sonst eine Verwechslung nicht ausgeschlossen ist und die Benutzer versuchen würden, auch diese anzuklicken.

Da sich User nicht die Zeit nehmen, lange Texte zu lesen, sollte jede Seite mit einer Zusammenfassung beginnen. „Das wichtigste Material sollte zuerst präsentiert werden – ein umgekehrtes Pyramidenprinzip“ (Nielsen, 2004, S. 111). So kann der Leser sofort sehen, wovon die Seite handelt und welchen Nutzen sie für ihn hat.

Klare Sprache

Natürlich gelten für Texte im Internet die gleichen Grundsätze, wie sie für einen gedruckten Aufsatz o. Ä. gelten. So sollten sie frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein, außerdem für die Zielgruppe leicht verständlich. Wissenschaftliche Texte, die sich an ein ebenso wissenschaftliches Publikum richten, müssen demnach natürlich anders geschrieben werden als ein Rezept zur Zubereitung eines Gulaschs. Zum bessern Verständnis und zur besseren Lesbarkeit sollten einfache Satzstrukturen genommen werden. „Verschachtelte Sätze und komplizierte Wörter sind online noch schwerer als sonst zu verstehen“ (Nielsen, 2004, S.111). Metaphern sind ebenso wie Humor zu vermeiden, da der User sie nicht oder zumindest missverstehen könnte. Zusätzlich sind Benutzer so zielbetont, dass diese nur Fakten sehen wollen.

Seitenaufteilung

Wie zuvor erwähnt, sollten Texte auf Webseiten kurz gehalten werden, ohne dass der Inhalt an Tiefe verliert. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist es sinnvoll, Inhalte durch Hyperlinks in mehrere verbundene Einheiten aufzuteilen. Lange und in die Tiefe gehende Informationen können so auf untergeordnete Seiten ausgelagert werden, so dass sie interessierte Nutzer mit einem Klick erreichen können, ohne die übrigen User damit zu belasten oder zu verwirren. Dieses Aufteilen sollte allerdings nicht dazu verwendet werden, einen langen zusammenhängenden Text auf mehrere kurze Seiten zu verteilen, da es dem Nutzer nur das Lesen erschweren würde. Die Informationen müssen in zusammenhängende Textabschnitte unterteilt werden, die sich jeweils mit einem Thema oder einem Teilaspekt dessen befassen. Auch hier findet das Prinzip der umgekehrten Pyramide wieder Verwendung: Zuerst sollte der Seiteninhalt zusammengefasst werden, danach sollte mehr und mehr ins Detail gegangen werden. Prinzipiell sollte ein Leser jederzeit aufhören können und dabei das Wichtigste bereits gelesen haben.

Seitentitel

Da Besucher meistens durch ihre Suche nach bestimmten Themen auf eine Website stoßen und jede einzelne Webseite von Suchmaschinen wie z. B. Google indexiert wird, ist es notwendig, dass jedes HTML-Dokument der Website einen aussagekräftigen Seitentitel enthält. Diese werden zudem in der Navigationsleiste oder Favoritenliste des Browsers verwendet.

Ein Seitentitel ist ein Mini-Inhalt und muss daher verständlich und umfassend sein. Wenn der Titel nicht deutlich macht, wovon die Seite handelt, wird sie wahrscheinlich niemand öffnen. Da jede Seite innerhalb einer Website unterschiedlich ist, ist es selbstverständlich, dass jede dieser Seiten einen eigenen Titel bekommt. Damit dieser auch für schnelles Überfliegen geeignet ist, sollten informationstragende Wörter am Anfang stehen. Ein Beispiel für einen schlechten Titel wäre, für die Home-Seite eines Unternehmens einen Titel wie „Willkommen auf der Seite des Unternehmens X“ zu wählen, nach diesen Regeln wäre „Unternehmen X“ die bessere Variante. So bringt es Nielsen auf den Punkt: „Ein Titel muss kein ganzer Satz sein, sondern sollte sich eher wie ein Werbeslogan lesen“ (Nielsen, 2004, S. 123).

Überschriften

Überschriften im Internet unterscheiden sich von denen im gedruckten Text. Sie müssen für sich alleine stehen können und Sinn machen. Da einzelne Webseiten von Suchmaschinen indexiert werden, stehen diese Überschriften ohne jeden anderen Zusammenhang in der Trefferliste einer Suchmaschine. Fühlt sich der User nicht angesprochen oder versteht er die Überschrift nicht, wird er erst gar nicht auf die dazugehörige Seite wechseln. Aus diesem Grund müssen Überschriften die Quintessenz des entsprechenden Inhalts sein. Artikel sollten als Überschrift-Anfang vermieden werden. Listen werden oft alphabetisch geordnet, so dass die Seite nur eine unter vielen wäre, die unter dem Buchstaben „d“ zu finden wäre, da sie mit der, die oder das anfinge. Das erste Wort sollte informationstragend und wichtig sein, so dass es in alphabetischen Listen besser einsortiert und ein schnelles Überfliegen möglich gemacht werden kann.

Auch sollten nicht alle Seiten mit demselben Wort anfangen.

Eye-Catcher

Eye-Catcher (Blickfänger) sind Elemente, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Diese kann man gezielt einsetzen oder vermeiden. Zu diesen Eye-Catchern zählen Signalfarben, Bewegung, Augen und Gesichter sowie Erotik. Versucht man, in der folgenden linken Abbildung den Körper des Caligo-Falters zu betrachten, so wird der Blick unwillkürlich auf die Augen, die auf den Flügeln erkennbar sind, gerichtet.

Die linke Abbildung zeigt anschaulich, wie die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Inhalt abgelenkt wird, nur weil ein Gesicht mit sichtbaren Augen abgebildet ist, das einen magisch anzuziehen scheint.

Setzt man diese Elemente mit Bedacht ein, so kann man die Aufmerksamkeit des Benutzers auf Inhalte lenken. Setzt man sie aus dekorativen Gründen ein, wird der Benutzer von wichtigen Inhalten abgelenkt.

Quelle:http://www.infocostarica.com/butterfly/cal-eur.gifQuelle: www.siemens.de

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