Farben, Größe, Schriftarten und Animation

Dass unsere Aufmerksamkeit beschränkt ist, ist kein Novum mehr. Aber für die Web-Usability ist es wichtig zu wissen, welche Eigenschaften von Elementen Aufmerksamkeit auf sich lenken. Es ist möglich, anhand von Intensitäts- und Größengesetzen vorauszusagen, welche Elemente die Aufmerksamkeit der Benutzer auf sich lenken werden. Elemente, die groß sind, werden mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als kleinere Elemente. Farblich gesättigte Elemente verdrängen durch ihre Intensität weniger intensive Farbtöne wie der Extremfall grau (Wirth, 2002).

Wegen der starken Wirkung der Farben auf die menschliche Aufmerksamkeit, sollten sie immer sparsam und mit System eingesetzt werden. Mit weiß aufgehellte Farben, die so genannten Pastellfarben, oder verhältnismäßig dunkle Farben sollten für Hintergründe eingesetzt werden, während intensive Farben für wichtige Details und eher kleine Elemente benutzt werden sollten, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Außerdem wird warmen Farben, wie z.B. rot, eher Beachtung geschenkt als kalten und dass Farbkombinationen mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, wenn sie kontrastreicher sind (Wirth, 2002).

Spezifische Wirkung der verschiedenen Farben

Rot ist eine sehr starke und warme Farbe, die nur noch durch Mischung mit Orange, also mit ein wenig Gelb, an Wärme gewinnen kann. Rot wirkt als aktive Farbe nervös, strahlend, königlich, gefährlich, aufreizend, beunruhigend und nah, während Blau als passive Farbe primär eine beunruhigende Wirkung auf den Menschen ausübt. Blau ist die Farbe des Vertrauens und wirkt auf Websites sehr seriös aber auch kalt und ist deshalb für Seiten mit seriösem Inhalt die beste Wahl.

  • Gelb ist die lichtvollste aller Farben und wirkt unruhig und gleichzeitig erheiternd, frisch und anregend, die Temperaturwirkung ist warm. (Hartmut, 2005)
  • Grün als Mischung zwischen Blau und Gelb hat je nach Mischverhältnis eine neutrale bis kalte Wirkung. Grüne Flächen üben Frische aus und wirken gleichzeitig ruhig. (Hartmut, 2005)
  • Violett, die Mischfarbe von Rot und Blau, vermittelt Finsternis, Erhabenheit, Geheimnis und Tod (Itten, 1987, Hartmut, 2005).
  • Schwarz erzeugt negative Gefühle wie Trauer und Einsamkeit. Es ist beliebt und strahlt Eleganz aus und viele Menschen lehnen es gleichzeitig ab. (Hartmut, 2005)
  • Weiß ist eine vollkommene Farbe, die ausschließlich positive Gefühle auslöst. Die Wirkung auf Menschen ist klar, sachlich, unschuldig und ehrlich. (Hartmut, 2005)

Das Ausnahmegesetz

Welche Farbe Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist aber noch von einer anderen Frage abhängig: Wie häufig wird eine Farbe auf einer Webseite eingesetzt?

Wird eine Farbe zu häufig auf einer Webseite eingesetzt, so gewöhnt sich unser visuelles System an diesen Reiz und er wird nicht mehr so intensiv wahrgenommen, selbst wenn es sich um ein intensives Rot handelt. Unsere Augen ermüden unter der Überreizung durch die kontrastreiche Farbe. Thomas Wirth (2002) nennt dieses das Gewöhnungsgesetz.

Es sind aber besonders die Elemente, die sich in ihren Eigenschaften von den anderen unterscheiden, welche die Aufmerksamkeit durch ihre Einzigartigkeit auf sich lenken.

In den folgenden Abbildungen erkennt man, dass es nicht grundsätzlich stimmt, dass nur kontrastreiche Farben Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In der rechten Abbildung fällt besonders das weniger intensiv gefärbte Kästchen auf.

Diese Gesetzmäßigkeit von der Auffälligkeit von einzigartigen oder andersartigen Elementen wird als Ausnahmegesetz bezeichnet (Wirth, 2002). Das Seltene ist wichtiger und bedarf mehr Aufmerksamkeit.

Zwei weitere Beispiele werden das Ausnahmegesetz verdeutlichen: Auf einer Webseite, deren Texte ausschließlich in großer Schriftart verfasst sind, fällt ein Satz besonders auf, wenn dieser dazu verhältnismäßig klein geschrieben ist. Auf einer bunten Webseite fällt ein kontrastarmes und in Grautönen gestaltetes Bild eher auf, als ein ebenfalls buntes.

Animationen

Bewegung oder der technische Terminus „Animation“ ist in erster Linie ein Aufmerksamkeitsfänger und keine Dekoration, die man einsetzt, um eine Website interessanter zu gestalten. Nicht umsonst wird versucht, Werbebanner zu gestalten, die durch ihre Bewegung die Aufmerksamkeit der Benutzer vom eigentlichen Inhalt der Site ab- und auf das Banner hinlenken.

Dass Menschen auf Bewegung reagieren, ist auch evolutionär bedingt. Unsere Vorfahren reagierten auf Bewegung in ihrem Umfeld, um ihr Leben zu schützen. Aber auch der heutige Mensch nimmt Bewegung im peripheren Sichtfeld wahr und kann nur mit Mühe dieser Ablenkung widerstehen. Selbst wenn wir die Reize bewusst ignorieren, stören sie uns dabei, unsere Aufmerksamkeit auf Wichtiges zu lenken oder unterbrechen laufende Denk- oder Handlungsprozesse (Wirth, 2002).

Die in der Werbeindustrie häufig genannte Banner-Blindness stellt lediglich den Zustand dar, dass Inhalte, die mit viel Animation Aufmerksamkeit auf sich lenken, inhaltlich nicht mehr beachtet werden (Wirth, 2002). Die erzeugte Störung ist aber nicht vermeidbar, da wir eine angeborene Aufmerksamkeit für Bewegung haben, welche nicht abschaltbar ist. Animation sollte daher niemals ohne triftigen Grund eingesetzt werden.

Lesbarkeit der Schrift

Der beste Text nützt nichts, wenn der Benutzer ihn nicht lesen kann. Aus diesem Grund müssen Text und Hintergrund stark kontrastieren. Optimale Lesbarkeit entsteht bei positivem Text, schwarze Schrift auf weißem Hintergrund. Der Hintergrund sollte weiterhin einfarbig oder mit einem nur dezenten Muster gestaltet sein, da der vorhandene Text ansonsten schwer lesbar wird. Außerdem muss der Text ausreichend groß sein, damit er gut zu lesen ist. Kleine Texte lassen sich schwerer lesen und benötigen viel mehr Zeit.

Weiterhin sollte der Text sich nicht bewegen. Animierter, blinkender oder die Größe verändernder Text ist erheblich schwerer zu lesen als starre Buchstaben (Wandmacher, 1993). Außerdem sollte der Text einen klaren Ausgangspunkt haben, also im besten Falle linksbündig ausgerichtet sein, da das menschliche Auge ihn so in seiner Gesamtheit besser erfassen kann. Durchgängiger Text in Großbuchstaben ist der Lesbarkeit ebenfalls abträglich. Der Benutzer liest solche Texte durchschnittlich 10 % langsamer, da es für die Augen schwieriger ist, einzelne Wort- und Buchstabenformen in der einheitlichen Umgebung von Großbuchstaben zu erkennen.

Im Abschnitt über die Grundlagen der Usability konnte gezeigt werden, dass die Mustererkennung wahrscheinlich nicht durch einen Schablonenabgleich, sondern vielmehr durch eine Merkmalsanalyse stattfindet. Serifen verschleiern die Merkmale, so dass beispielsweise die Merkmale, die ein G von einem C unterscheiden, nicht so schnell erkannt werden können. Daher sollte sich der Webdesigner unbedingt dazu entschließen, eine Serifen-freie Schriftart wie Verdana oder Arial zu verwenden.

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