Messung des Flow-Phänomens

Es werden die wichtigsten Methoden zur Messung von Flow vorgestellt. Dazu gehört die ESM und die FKS.

Da Flow ein Erlebensphänomen ist, kann es nicht direkt beobachtet werden. Deshalb wurden die ersten Untersuchungen qualitativ durch Interviews mit Personen erfasst, die eine Tätigkeit ohne erkennbare Belohnung sehr engagiert betrieben.

Interviews sind jedoch problematisch, da diese nur retrospektiv sein können und somit ein eventuell verzerrtes Bild des Phänomens abgeben. Dieser Aspekt kommt beim Flow besonders zum Tragen.

Ein wichtiges Merkmal des Flows ist dessen Reflexionsfreiheit, man richtet die Aufmerksamkeit ganz auf die Sache und deren Regulation, nicht auf das Selbst. Wie soll man aus späterer Rückbesinnung genaue Angaben über einen Zustand machen, den man im optimalen Falle selbstreflexionslos erlebt? Mihaly Csikszentmihalyi versucht deshalb in seinen eigenen quantitativen Studien, die Messung möglichst dicht an den aktuellen Zustand heranzurücken. Deshalb entwickelte Csikszentmihalyi die Experience Sampling Method , kurz ESM genannt ( Csikszentmihalyi & Larson , 1987).

Bei dieser Methode tragen die Probanden einen Signalgeber bei sich, der sie bis zu acht Mal pro Tag und in unregelmäßigen Abständen durch ein Signal dazu auffordert, ihre momentane Tätigkeit zu unterbrechen und schnellstmöglich ihren aktuellen Zustand auf mitgeführten Skalen einzuschätzen. Die repräsentieren verschiedene Erlebensdimensionen, zum Beispiel Freude, Konzentration und intrinsische Motivation.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Messung direkt bei der dafür nur kurz zu unterbrechenden Tätigkeit vorgenommen wird und dass man so an ökologisch valide Daten zum Erleben in Alltagssituationen kommt.

Kritik an der ESM

Bei der ESM wird nur die Flow-Komponente der optimalen Beanspruchung, also der Passung von Fähigkeiten und Anforderungen, untersucht – die anderen Komponenten und Bedingungen werden außer acht gelassen.

Weiterhin ist die Gleichsetzung zwischen Anforderung und Fähigkeit mit Flow auch deswegen problematisch, weil große interindividuelle Unterschiede zu erwarten sind. So müsse es Personen geben, die unter den Passungsbedingungen nicht Flow, sondern Besorgnis und sogar Ängstlichkeit empfinden, dieses zeigen Befunde mit einer verbesserten ESM-Technik (Rheinberg & Vollmeyer , 2001).

Kritikwürdig ist auch die von Csikszentmihalyi auf theoretischer Ebene ungeschickte Vorgehensweise. So arbeitet er bei der Datenerhebung nicht mit dem Begriff Anforderung (demands if the activity), sondern nennt es nun Herausforderung (challenge). „Motivationspsychologisch ergibt sich die Herausforderung durch eine Aufgabe aus der Passung zwischen Anforderung und Fähigkeit“ ( Rheinberg, 2003 , S. 6). Es ist nicht klar, welchen Status diese erneute Relationsbildung hat, vor allem, da der Autor Anforderung und Herausforderung als austauschbare Konzepte benutzt ( Csikszentmihalyi & Jackson , 2000; Moneta & Csikszentmihalyi , 1996).

Optimierung der ESM

Die ESM ist im deutschsprachigen Raum von Schallberger und Mitarbeitern optimiert wurden ( Schallberger, 2000 ; Schallberger & Pfister , 2000). Schallberger vermeidet die Vermischung von Anforderung und Herausforderung. Die Probanden werden dort nach der Anforderung der Tätigkeit gefragt, die sie dann auf einer Sieben-Punkte-Skala von „extrem niedrig“ bis „extrem hoch“ einschätzen sollen und nicht danach, wie sehr sie sich herausgefordert fühlen. Es zeigte sich, dass bei Passung von Fähigkeit und Anforderung auf hohem Niveau (Flow-Bestimmung nach Csikszentmihalyi & Csikszentmihalyi , 1991) nicht nur die positive Aktivierung überdurchschnittlich ist, sondern auch die negative Aktivierung über dem Durchschnitt der Messungen liegt. Es galt vor allem bei Tätigkeiten, bei denen ein Misserfolg gravierende Konsequenzen hätte ( Schallberger, 2000 ).

Flow-Kurz-Skala

Parallel zur Weiterentwicklung der ESM gab es Versuche, die in der qualitativen Forschung gewonnenen Komponenten in Items zu transferieren. So entwickelte Rheinberg (1987) die Flow-Kurz-Skala , kurz FKS genannt (vgl. kommende Abbildung). Dabei wurde versucht, mittels 10 Items alle Komponenten des Flows zu erfassen. Die Items sind so formuliert, dass sie zu allen Aktivitäten passen und somit universell einsetzbar sind. Die 10 Items werden dabei mittels Sieben-Punkte-Skalen von „trifft nicht zu“ bis „trifft zu“ erfasst. Da es bei Passung von Fähigkeit und Anforderung bei einigen Personen oder in bestimmten Situationen auch zu Besorgnis oder Angst kommen kann, wie Schallberger (2000) gezeigt hatte, erfasst die FKS mit drei Items auch eine Besorgniskomponente. Damit die Messung möglichst nah am tatsächlichen Zustand erfolgt, wird die FKS mit der ESM kombiniert. Die Probanden tragen also den vorher genannten Signalgeber, füllen jedoch die Bögen der FKS aus.

 

Abbildung: Die Flow-Kurz-Skala (FKS), Rheinberg, F. & Vollmeyer , R., 1987

Das Problem der Forschungen ist allerdings, dass diese deskriptiv sind, es kann durch diese Messverfahren bestimmt werden, ob eine Person bei einer bestimmten Tätigkeit im Flow war, nicht jedoch, ob sie zukünftig bei einer anderen oder sogar der gleichen Tätigkeit wieder in den Flow gerät.

Natürlich gibt es noch mehr Messverfahren zur Bestimmung des Flows, die hier vorgestellten stellen jedoch die wichtigsten und anerkanntesten da.

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