Flow & Usability Störung

Die vielen Bedingungen und Komponenten des Flows haben deutlich gemacht, dass das autotelische Erleben ein sehr zerbrechlicher Zustand ist. So genügen z. B. kleinste Störungen oder Behinderungen und der Flow wird unterbrochen, da die Aufmerksamkeit auf etwas anderes als die momentane Tätigkeit fokussiert wird. Nach Völkel (2002) kann zwischen vier Störungen bzw. Behinderungen unterschieden werden:

Unvorhersehbare Störungen

Dieses sind Störungen, die nicht vorausgeahnt werde können, da sie außerhalb des eigenen Aktionsradius liegen. Sie stellen die stärkste Determinante der Flow-Unterbrechung dar, da sie nicht verhindert werden können. Als Beispiel können unregelmäßig wiederkehrende Telefonanrufe genannt werden oder ein Systemabsturz beim Bedienen eines Computers.

Vorhersehbare Störungen

Störungen dieser Art können durch sorgfältige Vorbereitung oder ein gut durchdachtes Design der benötigten Gegenstände vermieden werden. Es sind demnach nicht nur Störungen gemeint, welche die im Flow-befindliche Person z. B. durch die Wahl eines ruhigen Platzes verhindern kann, sondern auch solche, die durch schlechte Gestaltung oder Verarbeitung der für die Tätigkeit wichtigen Gegenstände seitens des Herstellers oder Designers auftreten können: Beispielsweise werden unterstrichene Wörter in Texten im Internet als Links zu weiterführenden Seiten angesehen. Wird diese Art der Hervorhebung aber nur dazu benutzt, ein bestimmtes Wort herausstechen zu lassen, ist der User verwirrt, weil er etwas anderes erwartet hat. Störungen vermeiden heißt somit auch, dass Erwartungen erfüllt werden.

 

Unbewusste Störungen

Störungen, die sich nicht im Fokus unserer Aufmerksamkeit befinden, können unter besonderen Umständen unbewusst wahrgenommen werden und somit zu einer Störkomponente werden. Bedingt durch die Konstruktion unseres Auges (vgl. Wahrnehmung) sehen wir nur einen kleinen Bereich des wahrgenommenen Umfeldes scharf, der Rest wird ausgeblendet, sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt fokussieren. Besonders Bewegungen werden aber gerade in den nicht fokussierten Bereichen vom menschlichen Auge wahrgenommen und unbewusst verarbeitet. So reicht eine Fliege am Rande des Blickfeldes einer Person, um diese aus dem Flow-Zustand herauszubringen.

Das Wo-bin-ich-wo-war-ich-Problem

Wie in den Flow-Bedingungen erwähnt, hat das Ziel im Flow eine meist geringe Bedeutung, es muss jedoch klar vorhanden sein. Dieses kann zu schnellen und unwillkürlichen Zielwechseln innerhalb der autotelischen Erfahrung führen. Deshalb ist es wichtig, dass die im Flow-befindliche Person jederzeit weiß, wo sie sich innerhalb der Website befindet, wie sie wieder zurückgelangt und welche Seiten sie dort schon besucht hat (vgl. Webusability).

Die Störfaktoren und Behinderungen sind immer aus der Sicht der sich im Flow befindenden Person zu sehen. So wäre eine unvorhersehbare Störung des Nutzers z.B. ein sich öffnendes Pop-Up beim Besuch einer Website. Aus Sicht des Designers wäre dieses Fenster jedoch eine vorhersehbare Störung, da dieser es selber programmiert hat und somit weiß, dass sich dieses beim Besuch öffnen wird. Aus diesem Grund sollten Störungen aus Erstellersicht in kontrollierbar und unkontrollierbar unterteilt werden.

Die Designer einer Website können nicht wissen, ob eine autotelische Person vor dem Monitor sitzt oder der Nutzer durch Faktoren außerhalb des Einflussbereichs des Designers gestört wird. Daher können diese Faktoren nicht durch das Erstellen einer gut strukturierten Webseite ausgeschaltet oder minimiert werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, alle Störfaktoren, die beeinflusst werden können, mit Hilfe der Usability-Kriterien auszuschalten, da jeder vermeidbare Fehler auf der Website zu den unkontrollierbaren Störfaktoren, wie z.B. Telefonklingeln oder das Fehlen einer autotelischen Persönlichkeit, addiert werden muss und den Flow zusätzlich erschwert.