Website zur Magisterarbeit von Marco Wurzler und Philipp Stenger

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Flow/Elemente/Flow-Komponenten

Flow

Komponenten des Flow-Erlebens

Es gibt mehrere Komponenten, die charakteristisch für das Flow-Erleben sind, sie variieren in der Literatur in ihrer Anzahl.

Untersuchungen Csikszentmihalyis zeigen immer wieder, dass das Flow-Erleben nicht nur ein singuläres Phänomen ist, sondern einhergeht mit mehreren Erlebens-Komponenten. Die Anzahl der genannten Merkmale ist in der Literatur unterschiedlich. Selbst Mihaly Csikszentmihalyi variiert im Laufe seiner Veröffentlichungen die Anzahl der Komponenten. Hauptsächlich ist dieses darauf zurückzuführen, dass die einzelnen Elemente miteinander verbunden sind bzw. aufeinander aufbauen, so dass sie schwer abzugrenzen sind.

Es werden die in der Literatur hauptsächlich genannten aufgeführt:

  • Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein
  • Zentrierung der Aufmerksamkeit auf einen beschränkten Umweltabschnitt
  • Selbstvergessenheit
  • Ausübung von Kontrolle über Handlung und Umwelt
  • Beeinträchtigtes Zeiterleben
  • Glatter, flüssiger Handlungsablauf
  • Autotelisches Erleben

 

Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein

Der Agierende erlebt sich als Einheit mit der Handlung, er denkt nicht über sein Handeln und sich als Person nach. Oft kommt noch das Gefühl des Verschmelzens mit der Umwelt hinzu. Als Beispiel können Felskletterer genannt werden, die bei der Ausübung ihres Sports oft von einem Gefühl des Einsseins mit der Natur und des Felsens berichten. Da die handelnde Person im Flow-Zustand eins mit der Handlung ist, reflektiert sie den Bewusstseinsakt selber nicht, sie weiß während des Erlebens nicht, dass er sich im Flow befindet. Damit das Handeln in solchem Ausmaß eins wird mit dem Bewusstsein, muss die Aufgabe den eigenen Fähigkeiten angepasst, also zu bewältigen sein. Dieses ist ein Grund, warum Flow am häufigsten bei Aktivitäten mit klar festgelegten Regeln erlebt wird wie z. B. beim Spiel oder während der Ausführung eines Sports.

Das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein wird auch durch das nächste Merkmal des Flow-Erlebnisses möglich.

Zentrierung der Aufmerksamkeit auf einen beschränkten Umweltabschnitt

Reize, die nicht direkt mit der Handlung zu tun haben, werden ausgeblendet, die Aufmerksamkeit ist nur auf die Aktivität gerichtet. Die agierende Person denkt weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft, nur das Gegenwärtige zählt, Probleme treten nicht ins Bewusstsein, nur die zu bewältigende Aufgabe ist im Blickfeld.

Da die Aufmerksamkeit vollständig in die momentane Aktivität investiert wird, kann davon ausgegangen werden, dass der Handelnde sich auf seinem höchsten Konzentrationsniveau befindet. Durch das Einbeziehen weiterer motivationaler Komponenten wie z. B. der Wettbewerb im Spiel, aber auch Gefahr bei Extremsportarten oder materielle Gewinne wie Geld, können auch Menschen in den Bann des Geschehens gezogen werden. So können also auch extrinsische Anreize die Konzentration erhöhen und Flow auslösen. Mit dem Hinzukommen solcher extrinsischen Stimuli wächst jedoch auch die Anfälligkeit für das Eindringen äußerer Realität, da die Ablenkungen zahlreicher sind.

Idealerweise ist Flow das Ergebnis des reinen Aufgehens in der Tätigkeit, wo Gedanken über Ziele und Ergebnisse ausgeblendet werden oder keine Rolle spielen. Die meisten Menschen brauchen jedoch einen äußeren Anreiz zur Teilnahme an Flow-Aktivitäten.

Selbstvergessenheit

Im Flow-Zustand wird das Selbst nicht mehr als bewusste Steuerungsinstanz wahrgenommen. Alle Gedanken über die eigene Person treten in den Hintergrund.

Selbstvergessenheit bedeutet nicht, dass man im Flow den Kontakt zur eigenen physischen Realität verliert (vgl. Csikszentmihalyi, 2000 ). Das Gegenteil ist der Fall, bei vielen Flow-Aktivitäten wird man sich der inneren psychischen und körperlichen Vorgänge mehr bewusst. So berichten Felskletterer von einer erhöhten Wahrnehmung von sonst unbewussten Muskelbewegungen. Im Flow geht also nicht die Bewusstheit des Körpers oder der eigenen Körperfunktionen verloren, sondern das Selbst-Konstrukt, die Gedanken, die Menschen sich über ihr Handeln, ihr Rollenbild und ihr Verhalten machen.

Ausübung von Kontrolle über Handlung und Umwelt

Die agierende Person hat im Flow-Zustand das subjektive Empfinden, ihre Handlungen und Umwelt unter Kontrolle zu haben. Dessen muss sie sich nicht unbedingt bewusst sein, sie hat nur das Gefühl, nicht scheitern zu können. Dieses Kontrollgefühl trägt mit zum Gefühl der Sorgenfreiheit im Flow bei. Das Gefühl der Kontrolle und Sorgenfreiheit herrscht auch in Flow-Situationen vor, wo Gefahren für die Akteure - objektiv betrachtet - durchaus vorhanden sind, z. B. bei Motorradfahrern oder Extremkletterern. Doch sind diese Gefahren für die handelnden Personen vorhersehbar und somit prinzipiell zu bewältigen. „Auf jeden Fall ist das Kontrollgefühl eine der wichtigsten Komponenten des Flow-Erlebens, ob nun eine >>objektive<< Einschätzung der Situation dieses Gefühl rechtfertigt oder nicht.“ ( Csikszentmihalyi, 1985 , S. 71)

Beeinträchtigtes Zeiterleben

Das Zeiterleben im Flow ist stark beeinträchtigt, so können Stunden zu Minuten werden, doch auch die gegenteilige Annahme ist möglich. Als Beispiel kann ein Programmierer genannt werden, der die ganze Nacht vor dem Computer sitzt und erst merkt, wie spät es ist, als die Sonne aufgeht. Eine Erklärung für dieses Phänomen ist die hohe Konzentration einer Person im Flow. Wie vorher erwähnt, werden dabei für die Tätigkeit unwichtige Reize - wie z. B. die Zeit - ausgeblendet. Dieses Merkmal tritt nicht bei Flow-Aktivitäten auf, die einen bestimmten Zeitplan erfordern wie z. B. ein chirurgischer Eingriff. Dort ist die Zeit essenzieller Bestandteil der Tätigkeit und wird somit fokussiert.

Glatter, flüssiger Handlungsablauf

Im Flow wird der Handlungsablauf als glatt erlebt, ein Schritt geht in den nächsten über, wie aus einer inneren Logik heraus. Es wird als einheitliches Fließen von einem Augenblick zum nächsten erlebt, daher auch der Begriff „Flow“.

Autotelisches Erleben

Im Flow-Zustand gibt es keine Belohnungen außer der Tätigkeit selbst. Der Zweck des Flows ist es, im Flow zu bleiben. Es gibt auch keine äußeren Ziele, die verfolgt werden. Dennoch muss die Tätigkeit ein klar definiertes Ziel haben, da sonst die Eindeutigkeit der Handlungsstruktur nicht mehr gegeben ist, dieses Ziel ist im Fluss nur nicht mehr wichtig.

Weiter zum Thema Flowmerkmale oder zum Thema Internetflow.



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