Das Gedächtnis – Speicherkapazitäten des Gehirns

Die höchste Anzahl an Elementen oder Entscheidungsalternativen, die wir im Kurzzeitgedächtnis behalten können ist sieben plus minus zwei Chunks.

In der vorherrschenden Theorie wird das Gedächtnis in drei Teile aufgeteilt (Anderson, 2000), die aufgrund ihrer Art der Speicherung unterschieden werden. Der sensorische Speicher, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis besitzen unterschiedliche Eigenschaften, anhand derer man sie zu separaten Instanzen unseres Gedächtnisses erklärt hat. Auf das Langzeitgedächtnis wird in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen, da es weder für das Flow-Erleben noch für die Web-Usability eine tragende Bedeutung besitzt und es sich im Gegensatz zu den anderen Speicherinstanzen nicht in unmittelbarer Nähe zum Aufmerksamkeitsfilter befindet. Denn die Aufmerksamkeit ist das Konstrukt, das Flow-Erleben und die Web-Usability gemein haben und somit ein Bindeglied zwischen ihnen ist.

Die Speicherkapazität des sensorischen Speichers, eine Art Speicher der Wahrnehmung, ist sehr hoch. Zur Erklärung kann man sich im Falle der visuellen Wahrnehmung mit einer Analogie helfen: Der visuelle Speicher hat Ähnlichkeit mit einem Foto, einer Momentaufnahme, die für eine Sekunde erhalten bleibt und dann schnell verblasst. Innerhalb dieser Sekunde hat man Zeit, seine Aufmerksamkeit auf eines der Objekte dieses im sensorischen Speicher der Netzhaut eingebrannten Bildes zu richten. Es wird auch mit einem Echo verglichen (Neisser, 1974).

Das Kurzzeitgedächtnis, welches unmittelbar nach der Selektierung durch das Medium Aufmerksamkeit folgt, speichert Inhalte mit einer variabeln Speicherdauer, die aber wesentlich länger ist, als die vom sensorischen Speicher. Die Speicherdauer ist variabel, da die Aufmerksamkeit sich immer wieder neuen Informationen zuwendet, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden müssen. Die Gedächtnisspanne, also die Kapazität des Speicherinhalts, ist jedoch wesentlich geringer, als die des sensorischen Speichers oder des Langzeitgedächtnisses.

Sieben plus minus zwei Chunks

„There is a clear and definite limit to the accuracy with which we can identify absolutely the magnitude of a unidimensional stimulus variable. I would propose to call this limit the span of absolute judgment, and I maintain that for unidimensional judgments this span is usually somewhere in the neighborhood of seven. We are not completely at the mercy of this limited span, however, because we have a variety of techniques for getting around it and increasing the accuracy of our judgments“ (Quelle: http://www.well.com/user/smalin/miller.html )

Nach Miller (1956) ist die Gedächtnisspanne des Kurzzeitgedächtnisses sieben Chunks groß und schwankt individuell zwischen plus und minus zwei. Das bedeutet, dass eine willkürliche fünfstellige Zahlenfolge im Kurzzeitgedächtnis behalten werden kann – beispielsweise 1 7 6 4 9 – während aber von einer Folge der Länge 10 – beispielsweise 2 7 6 5 8 3 7 5 8 4- nur Bruchstücke im Kurzzeitgedächtnis bleiben. Ein Chunk kann sowohl eine Zahl, eine Silbe, ein Wort als auch ein Satz sein. Wobei die Einheit Chunk dabei nicht unendlich groß sein kann.

Im Folgenden werden in jeder Zeile jeweils sieben Chunks aufgezählt:

1 8 4 6 3 8 0 (Eine sinnlose Zahlenfolge)

M T A A T U O (Eine sinnlose Buchstabenfolge, die geordnet A U T O M A T heißt.)

AUTOMAT, STRAßE, FLOW, BILD, HEINRICH, DAUER, MACHT

laut mu stär die ke sik der.

Eine Folge von scheinbar sinnlosen Silben, die den ersten Chunk der folgenden Chunkreihe ergeben:

Die Lautstärke der Musik. Go with the flow. Möge die Macht mit dir sein.

Würden die letzten Chunks nicht nur aneinander gereihte Sätze sein und einen gemeinsamen Kontext bilden, würde ein nächst größerer Chunk entstehen, den man sich jedoch wahrscheinlich nicht mehr wörtlich merken würde. Dieses untermauert die These, dass Chunks eine gewisse Größe nicht überschreiten dürfen.

Die Dauer der Speicherung im Kurzzeitgedächtnis ist nur sehr kurz. Soll der Inhalt länger behalten werden, dann muss er geistig wiederholt werden.

Die Chunks werden in einer Art Schlange gespeichert. Wenn die größtmögliche Menge an Chunks erreicht ist, ohne dass der Input versiegt, wird das erste Element, welches sich schon am längsten im Kurzzeitgedächtnis befindet, gelöscht, sofern es nicht selektiv wiederholt im Kurzzeitgedächtnis aufgerufen wird.

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