Intuition

„Eingebung, die aus den Ergebnissen unterbewusster Prozesse resultiert. Unterhalb der Bewusstseinsebene wird unser gesamter Erfahrungsschatz in Form von Kenntnissen, Einschätzungen und Reaktionsmustern gescannt, ob es brauchbare Hinweise für Entscheidungen und Verhaltensweisen für unsere derzeitige Situation liefern kann. Eine Vielzahl von Daten wird zu einem positiven oder negativen Gefühl komprimiert. Nicht zu verwechseln ist die Intuition mit dem Instinkt, der in Extremsituationen ein automatisch ablaufendes Verhaltensprogramm startet.“ (Quelle: http://www.wie-ideen-entstehen.de/glossar.htm#Intuition )

Im Magazin Focus (13. Juni 2005) wird im Titelartikel über die „Macht des Moments“ gesprochen. Mit diesem Begriff ist die Intuition gemeint. Ein Gefühl, über das der Handballer Henning Fritz seine Erfahrungen schildert. „Das ist keine Frage der Reaktion“, meint Henning Fritz, „sondern Intuition.“ Der US-Neurowissenschaftler Antonio R. Damasio, der auch in diesem Artikel zitiert wird, beschäftigt sich mit der emotionalen Seite der Intuition: „Gefühle prägen unsere gesamte Existenz als eine Art kondensierte Lebenserfahrung.“

So berichtet Antonio R. Damasio (2003) von Patienten, die aufgrund von emotionalen Störungen nicht in der Lage waren, Entscheidungen zu treffen. Er kam zu diesem Ergebnis, weil die kognitiven Funktionen seiner Patienten völlig in Ordnung zu sein schienen und sie gleichzeitig offensichtlich wenig soziale Emotionen besaßen. Das Einhergehen von Handlungen mit Emotionen war bei diesen Patienten gestört, wodurch sie nicht in der Lage gewesen sind, auf emotionsgeladene Erfahrungen zurückzugreifen, die sie im Laufe ihrer Leben gesammelt haben müssen.

Je nachdem, ob eine Entscheidung in der Vergangenheit zu einem Ergebnis führte, das ein negatives oder positives Erlebnis bzw. Gefühl auslöste oder Bestrafung oder Belohnung hervorgebracht hat, wird man in einer ähnlichen Handlungs- bzw. Entscheidungslage ein positives oder negatives Bauchgefühl haben, weil man das einhergehende Gefühl eines Ergebnisses einer folgenden Entscheidung antizipiert.

Dieser Mechanismus beeinflusst unsere Entscheidungen schon, bevor die rationalen Überlegungen angefangen haben, obwohl dieser Entscheidungsmechanismus keinen Ersatz darstellt.

Die Anwendbarkeit dieser Theorie für das Design von Websites ist fragwürdig, da ein Design zwar Gefühle hervorrufen kann, aber ein Ersteller das Design einer Website nicht auf ein vielleicht vorhandenes Bauchgefühl seitens des Benutzers stützen kann. Ein Designer kann sich auf Erfahrungen des Benutzers stützen, die dieser durch den Besuch andere Websites gemacht haben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die meisten Webdesigner an vorhandene Standards im World Wide Web halten, ist groß. Daher basiert die Web-Usability auf der folgenden Theorie der Intuition:

Im Allgemeinen ist die Bedienung eines Produktes intuitiv, wenn der Benutzer quasi aus dem Nichts heraus weiß, wie er das Produkt bedienen muss. Diese Intuition ist nach Raskin ein Wissen, das nicht ohne einen vorausgegangenen Lernprozess entstanden ist. Er spricht auch nicht von einem emotionalen Bezug. Das Wissen muss immer durch eine Auseinandersetzung mit einem Thema entstehen. Ein Spezialist eines Fachgebiets, beispielsweise der Computertechnologie, kann aufgrund seiner bisher gemachten Erfahrungen wissen, wie er einer neuen, ihm bisher unbekannten Software begegnen muss. Aufgrund der Erfahrungen mit älteren Versionen oder ähnlichen Produkten, lassen sich schnell Parallelen ziehen. Benutzt man Normans Begriff vom konzeptuellen Modell (siehe Produktdesign), dann muss nur das vorhandene konzeptuelle Modell von einem ähnlichen Produkt modifiziert werden.

In diesem Zusammenhang ist auch die Forderung nach intuitiv zu bedienenden Interfaces bei Programmen und Websites zu sehen. Wären diese nicht intuitiv, so müsste jedes Mal ein neuer Lernprozess stattfinden, sobald ein anderes Programm verwendet oder eine neue Website besucht wird. Aus diesem Grund sollen Bedienungsoberflächen so gestaltet werden, dass sie einer bekannten Oberfläche oder einer älteren Version des Programms gleichen, da davon schon ein konzeptuelles Modell im Gedächtnis des Benutzers vorhanden ist. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass auf diese Weise auch die Entwicklung besserer Interfaces behindert werden kann, weil umständliche Bedienungselemente einfach übernommen werden, solange sie der User nur kennt (vgl. Raskin, 2001, S. 178-180).

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia beschreibt Intuition als eine „Eingebung, die auf unbewussten Gründen beruht.“ „Intuition funktioniert wesentlich im Unterbewusstsein.“

Der Begriff Intuition darf nicht mit der Automatisiertheit verwechselt werden, weil man mit Automatisiertheit weniger das unbewusste Einsetzen von Erfahrungen, sondern mehr das Einsetzen von Fertigkeiten meint, die bewusst oder unbewusst erworben und vorhanden sind, während zur Intuition gesagt werden muss, dass die Erfahrung auf jeden Fall unbewusst ist.

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