Web-Usability in der Praxis – Zusammenfassung

Eine Website kann über eine unübersichtliche Menge Informationen verfügen. Um diese Informationen für den User zugänglich zu machen, muss eine Site ein ausreichend benutzerfreundliches Interface besitzen.

Den Vorstellungen der Ergonomie entsprechend, muss für die Gestaltung eines Interface das Wissen über die kognitiven Fähigkeiten des Menschen in Richtlinien umgesetzt werden. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen sind Forschungsgegenstand der kognitiven Psychologie, so dass auf die Forschungsergebnisse dieser Wissenschaft zurückgegriffen werden kann, um Regeln oder Richtlinien zur Gestaltung von Websites aufzustellen.

Es wurde festgestellt, dass die Aufmerksamkeit als ein einkanaliger Flaschenhals gesehen werden kann, der den Menschen vor Reizüberflutung schützt. Nach heutigem Stand der Dinge kann immer nur ein Reiz den Aufmerksamkeitskanal passieren und damit in unser Bewusstsein gelangen.

Die visuelle Aufmerksamkeit läuft nach Behrmann, Zemel und Mozer (1998) objektorientiert ab. Das heißt, dass wir unsere visuelle Aufmerksamkeit auf Objekte und nicht – wie zuerst angenommen – auf Bereiche im Raum zentrieren. Aus diesem Grund hat es sich für das Thema Web-Usability und das primär visuelle Medium Internet als wichtig herausstellt zu wissen, wie unser visuelles System Objekte erkennt.

Unsere visuelle Wahrnehmung organisiert Elemente nach dem Begründer der Gestaltpsychologie Max Wertheimer (1887-1943) mit Hilfe von Gestaltgesetzen.

Diese Gestaltgesetze sind eine Grundlage einer funktionierenden Usability. Damit der Benutzer nicht überfordert wird, darf die Anzahl der vorhandenen Elemente nicht die Zahl sieben plus minus zwei Chunks überschreiten, da der Benutzer ansonsten zu viele Entscheidungsalternativen erhalten würde. Der Nutzer sollte weiterhin jederzeit wissen, wo er ist, wo er schon war und wohin er kann.

Außerdem müssen vorhandene Erwartungen und Erfahrungen der Benutzer gestützt und genutzt werden. Es muss gewährleistet werden, dass der Benutzer auf jede Aktion eine unmittelbare Rückmeldung bekommt. Die Funktionen der Website müssen eindeutig und sichtbar angebracht sein und dürfen nicht verkompliziert werden.

Farben, Kontraste und Größen mit hoher Intensität sowie Animationen, erotische Signale und Augen dürfen nicht zur dekorativen Aufwertung einer Website eingesetzt werden, da dieses Reize sind, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Schriftarten sind möglichst ohne Serifen zu formatieren, da nur so die speziellen Merkmale der einzelnen Buchstaben schnell und fehlerfrei unterschieden werden können.

Aber nicht nur das Design muss Richtlinien entsprechend behandelt werden. Für die Inhalte einer Website hat sich der Begriff Content-Usability etabliert. Inhalte auf Webseiten stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Anwender. Sie sind der Grund, warum eine bestimmte Seite besucht wird und das Erste, was beim Betreten einer neuen Seite betrachtet wird. Qualitativ gute Inhalte sind eines der wichtigsten Kriterien der Web-Usability von Webseiten. Neben den traditionellen Kriterien, wie fehlerfreier Orthografie und Grammatik oder Aktualität und Glaubwürdigkeit, unterscheiden sich Texte im Internet von gedruckten. Da Web-Benutzer ungeduldig sind, müssen die Inhalte darauf ausgelegt sein, schnelle Antworten zu liefern. Dazu eignen sich z. B. Überschriften und Zwischentitel, die das Thema des folgenden Textes widerspiegeln. Weiterhin gilt für Texte auf Webseiten das so genannte umgekehrte Pyramidenprinzip: das wichtigste Material sollte am Anfang präsentiert werden, danach können die einzelnen Punkte vertieft werden. Ablenkende oder schwer lesbare Zeichen und Schriftarten sowie Animationen sollten vermieden werden, genauso wie lange, blockartige Texte.